Missing.
„Bei Jashin, ich wusste es!“
„Dann hab ich mir das doch nicht eingebildet?“
„Das war ja wohl völlig offensichtlich.“
„Teh, ich wusste es von Anfang an.“
Richtig geraten, wir wurden in flagranti erwischt – schon wieder.
Wenn ich mal genauer darüber nachdachte, dann geschah das in letzter Zeit ziemlich häufig. Vielleicht sollte sich Sasuke mal ernsthafte Gedanken über ein neues Schloss machen, das momentane schien sie ja nicht davon abzuhalten einfach unangemeldet in ein fremdes Zimmer hinein zu platzen.
Nebenbei bemerkt hatte es auch immer einen triftigen Grund, wieso man einen Raum abschloss, ganz einfach, weil man gerade ungestört sein wollte. War das denn wirklich so schwer zu begreifen? Für seine abgedrehten Freunde anscheinend schon.
Es war jetzt bereits vier Tage her, seitdem Sasuke und ich dieses... klärende Gespräch hatten und, nun ja, zusammengekommen sind. In dieser Zeit haben wir versucht eine Art Mittelweg in unserer Beziehung zu finden, da ich erst einmal nicht wollte, dass es jemand erfuhr, weil ich auf die Sprüche seiner Freunde - die im Endeffekt ja auch gekommen sind - ganz gut verzichten konnte. Vielleicht spielte aber auch Kiba eine schneidende Rolle, denn wenn er erfuhr, dass ich nun mit Sasuke zusammen war, dann ... ach verdammt, ich wusste es nicht. Aber nun war es zu spät irgendetwas geheimhalten zu wollen.
Ich fand es jedoch immer noch seltsam, dass es so weit gekommen war. Das sollte jetzt nicht heißen, dass mich die Vorstellung anekeln würde mit Sasuke zusammen zu sein – ganz im Gegenteil, ich glaubte, ich war gerade der glücklichste Mensch auf Erden – aber es kam mir noch alles so surreal vor, als ob ich nur träumen würde. Aus Angst, ich würde morgen Früh aufwachen und alles wäre nur ein Traum gewesen.
Ich meine, welcher normale Mensch hätte denn bitteschön erwartet, dass er durch ein kleines, nerviges, zuckersüßes Roboterbaby seine große Liebe finden würde? Ich jedenfalls nicht, wobei ich davor nicht einmal ein einziges sinnvolles Gespräch mit Sasuke geführt hatte. Es war ganz schön viel innerhalb dieser Zeit geschehen.
Und jetzt, jetzt lag ich in den Armen des Schwarzhaarigen, auf seinem Bett und versuchte möglichst nicht rot anzulaufen, während ich seinen Freunden einen bitterbösen Blick zuwarf.
„Hach ja, Romeo hat also doch noch die Kurve gekriegt.“ Hidan, der sich mit einem fetten Grinsen auf den Lippen auf mein hartes Klappbett warf, zischte kurz darauf gequält und rieb sich den Allerwertesten.
„Scheiße verdammt, das Bett ist ja aus Beton! Mein armer, hübscher Arsch.“ Mit einem verzerrten Gesicht knurrte Hidan das unschuldige, arme Klappbett an und trat einmal gegen das Gestell, um seiner Wut Luft zu machen, was aber wie zu erwarten war nichts brachte, außer vielleicht eine Beule am Bettgestell.
„Nenn mich noch einmal Romeo und ich verspreche dir, wenn ich mit dir fertig bin, wird dein Arsch dein kleinstes Problem sein“, kam es dann mit ruhiger Stimme von dem dunkelhaarigen Uchiha. Er warf dem Jashinisten einen warnenden Blick zu und zog seine Augenbrauen leicht drohend zusammen. Da konnte einer wohl keine Spitznamen ab.
„Ach komm schon, Alter. Sei nicht so. Der Name ist doch knuffig.“ Hidan lachte ungeniert, die Drohung anscheinend komplett ignorierend.
„Wenn du Wörter wie knuffig verwendest, brauchst du dich hinterher auch nicht wundern, dass dich kein Schwein ernst nimmt“, meinte Kakuzu dann mit monotoner Stimme, obwohl ich einen Hauch von Amüsement heraus hören konnte.
„Ey, Arschloch!“, beschwerte sich Angesprochener sofort mit erhobenen Händen. „Ich bin ernst zu nehmen, klar?!“
„Natürlich. Wir haben alle furchtbaren Respekt vor dir, Satan-Junior“, mischte sich nun auch Sasori in die Diskussion ein, dessen Worte nur so vor Sarkasmus strotzten.
Ich musste schmunzeln, als ich hörte wie der Puppenfreak meinen selbstausgedachten Spitznamen in den Mund nahm. Tja, so kreativ wie ich konnte eben nicht jeder sein.
„Boah, fang du nicht auch noch damit an!“, maulte der Grauhaarige schmollend weiter und schaute dann vorwurfsvoll zu mir hinüber. „Das ist alles deine schuld!“ Er warf seinen Kopf theatralisch in den Nacken und zeigte auf mich. Ich zog nur meine Augenbrauen in die Höhe, schüttelte den Kopf und musste lachen.
„Du musst aber zugeben, dass er sehr originell war, oder?“ Ich grinste breit und stichelte ihn mit meinen Worten etwas an.
Ein kaum hörbares Seufzen entfloh meinen Lippen, als Sasuke mir durch die blonden Haare strich und seinen Arm fester um mich legte. Ein Lächeln huschte auf mein Gesicht. Vermutlich sah es etwas dümmlich aus und hatte ein wenig von einem frisch verliebten Schulmädchen, aber das war mir momentan wirklich egal.
Im Grunde war ich ja genau das – frisch verliebt, nur eben kein Mädchen. Auch wenn es erst ein paar Tage her war, seit wir unser aufschlussreiches Gespräch hatten, kamen mir die letzten Tage wie Monate vor. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ein Teil von mir immer auf diesen Moment gewartet hatte. Vielleicht nicht gezielt auf Sasuke, aber auf das, was er mir gab.
Auf Liebe.
„Jaja, wegen dir werde ich diesen bescheuerten Namen nie wieder los. Die halbe Schule macht sich darüber lustig“, grummelte der Jashinist verstimmt und schien sich das Szenario bildlich vorzustellen.
Aber er hatte Recht, der Name Satan-Junior hatte in den letzten Wochen wirklich öfters mal die Runde gemacht und daran war ausnahmsweise mal nicht ich schuld gewesen. Zumindest nicht ausschließlich.
„Keine Sorge, die Schülerschaft hat ab heute ja etwas Neues, um das sie sich die Mäuler zerreißen können und vermutlich auch werden“, meinte Sasori dann bestimmend und warf mir und Sasuke einen bedeutsamen Blick zu.
Ich konnte zwar erahnen, dass er damit die Beziehung zwischen Sasuke und mir meinte – zwischen dem beliebten Adonis und dem kleinen, unwichtigen Chaoten – aber eigentlich konnte noch gar keiner außer seinen Freunden davon wissen.
„Woher sollen die das denn bitte wissen?“, sprach ich also das aus, was mir auf der Zunge brannte.
„Ganz einfach, Kleiner. Ich hab’s getwittert.“ Mit einem stolzen Grinsen deutete Hidan auf sein Handy, das gerade die Website Twitter geöffnet hatte und anzeigte, dass ein neuer Tweet hochgeladen wurde.
Gott, verfluche internetfähige Handys!
~*~
„Was ist mit Noby?“ Ich wusste, dass diese Frage eigentlich überflüssig war, weil er in seinem momentanen Zustand gewiss keine Hilfe mehr brauchte und ich sie bereits gefühlte tausend Mal gestellt hatte. Aber trotzdem hatte ich die unerschütterliche Hoffnung, dass Sasukes Stalker – dieser Suigetsu, den ich schon jetzt nicht unbedingt leiden konnte – den kleinen Roboter wieder zusammenflicken konnte. Ansonsten würde es für mich knapp werden, sehr knapp.
„Wir haben doch gesagt, dass wir euren Giftzwerg vor knapp einer Woche zu ihm gebracht haben. Es gibt noch nichts Neues von ihm, er braucht Zeit“, kam es dann von Kakuzu, der gerade eine Flasche Cola geleert hatte und sie achtlos in eine Ecke des Zimmers warf. Deidara schaute ihn strafend an, sagte aber nichts weiter dazu.
„Während ihr damals euer kleines Stelldichein hattet, haben wir den kleinen Terminator vorbildlich zu Suigetsu gebracht. Ich finde, dafür sollten wir endlich einmal ein Danke bekommen“, brachte der Jashinist den Satz dann zu Ende und ich kam nicht umher, meine Augen leicht zu verdrehen. Den Kommentar mit dem Stelldichein ignorierte ich dabei so gut es ging.
Ich war unheimlich froh darüber, dass sie seine Hilfe nun doch in Anspruch genommen hatten. Obwohl ich nicht gedacht hätte, dass Sasuke sich immer noch gegen diesen Schritt stellen würde, nachdem was zwischen uns entstanden war, aber dennoch durfte man sich ja mal Sorgen machen. Und ich tat das nun einmal ständig und sehr gerne.
„Und er hatte das einfach so gemacht, ohne Forderung auf eine Gegenleistung?“ Sasuke runzelte misstrauisch die Stirn und setzte sich leicht auf, sodass ich mich ebenfalls anders hinsetzen musste, um mich nicht zu verrenken. Diese Frage war ziemlich berechtigt.
„Neh, du schuldest ihm ‘n Date und ‘ne heiße Nacht im Gästezimmer.“ Hidans Mine war auf einmal so ernst und starr, dass mir bei seinen Worten die Kinnlade zu Boden fiel, meine Augen tellergroß und sprachlos.
Ich spürte, wie sich Sasuke Griff um meine Hüften anspannte und fester wurde. Seine Augen wurden zu Schlitzen und sein Zorn war kaum zu übersehen. Man konnte praktisch spüren, dass der grauhaarige Satan-Freak gleich Brei sein würde, risse er seine Klappe noch weiter auf.
„Woah, chill! Das war ‘n Scherz, Alter. Wir haben ihn einfach ein bisschen bedroht und schon war er brav, keine Sorgen.“ Hidan fuchtelte wild gestikulierend mit den Armen vor seinem Gesicht herum und lachte nervös, als er erkannte, dass sein Scherz nicht so witzig war wie er gedachte hatte.
„Du bist so ein großschnäutziger Idiot.“
~*~*~
Am nächsten Tag schlenderte ich tief in meinen Gedanken versunken den unbelebten Campus unserer Schule entlang. In meiner rechten Hand befand sich eine Cola, die ich mir vor einigen Minuten gekauft hatte und für die ich extra an das andere Ende der Welt gelaufen war. In unserem Zimmer war nämlich kein Trinken mehr, bis auf Alkohol oder Sprite - und da ich um diese Uhrzeit kein Alkohol wollte und Sprite aus tiefstem Herzen verabscheute, musste ich Wohl oder Übel selbst etwas kaufen gehen.
Ich hatte Sasuke zwar sparsichtshalber gefragt, ob er nicht ein Gentlemen sein könnte und es mir freundlicherweise holen würde, aber wie zu erwarten war hatte er das dankend abgelehnt. Hatte ich nicht einen zuvorkommenden Freund? Sehr liebenswert, aber so war er nun einmal und würde auch nie anders werden, zumindest nicht in dieser Hinsicht. Aber das war in Ordnung, solange alles andere auch so blieb wie es war.
„Hm?" Ich stutzte, als ich am Rand, nahe der kleinen Baumgruppe, Sasori erkennen konnte. Er saß gegen einen kleinen kahlen Baum gelehnt und schaute gedankenverloren gen Himmel.
Für einen Augenblick überlegte ich einfach weiterzugehen und ihn mit seinen Gedanken allein zu lassen, entschied mich aber letzten Endes doch dagegen. Wenn ich sah, dass es jemanden so offensichtlich nicht gut ging, dann wäre ich ein riesiges Arschloch, das einfach zu ignorieren. Also gab ich einen schweren Seufzer von mir und steuerte direkt auf den Akasuna zu.
„Hey", gab ich leise von mir und blieb vor ihm stehen, bekam aber keine Reaktion. Anscheinend hatte er mich gar nicht bemerkt. Sein Gesichtsausdruck war ungerührt und starr, aber in seinen Augen sah es so aus, als ob er gerade ganz woanders war - weit weg von diesem Ort. Es hatte etwas Sehnsüchtiges, aber gleichzeitig auch Schuldbewusstes.
„Alles in Ordnung?", wiederholte ich mich mit etwas mehr Nachdruck, nachdem ich noch immer keine Antwort bekam. Doch dieses Mal rührte sich etwas und sein Blick wandte sich mir zu. Langsam und träge bewegte er seinen Kopf in meine Richtung, um mich stumm anzuschauen. Seine sonst so kalte und gleichgültige Art war wie verflogen, als ich in sein trübes Gesicht schaute.
„Tu nicht so, als ob es dich interessieren würde wie es mir geht und verschwinde. Geh zu deinem Freund und lass mich in Ruhe." Seine Worte waren nüchtern und doch klangen sie weit entfernt. Normalerweise hätte mich diese Aussage sehr wütend gemacht, aber dieses Mal war das irgendwie anders.
Ohne auf eine Aufforderung oder Erwiderung zu warten, setzte ich mich rigoros neben ihn auf die Erde und lehnte mich ebenfalls gegen den Baum. Er schaute mich für einen Moment etwas verwundert an, ehe er einen gepressten Laut von sich gab und sich von mir weg drehte.
„Falls du mir Mitleid zusprechen willst, weil ich ja anscheinend so hilfebedürftig ausgesehen haben muss, kannst du gleich wieder verschwinden." Er kratzte mit seinen Fingern im dreckigen Boden herum und grub eine kleine Kuhle, während ich ihm stumm dabei zusah.
Er war nervös, das konnte ich an dieser Geste erkennen. Aber warum? Was machte einem wie ihm so sehr zu schaffen, dass er sich nicht einmal mehr die Mühe gab, seine Gefühle zu verschleiern?
„Ich gebe nie geheucheltes Mitleid", sagte ich nach einigen Minuten, in denen Stille herrschte.
„Mich hat es nur verwundert, was dir so sehr zusetzt, dass du dich so gehen lässt." Ich schaute ihn an, um auf eine Reaktion zu hoffen, doch nichts kam. Lediglich eine Augenbraue von ihm zuckte kurz.
„Ich lass mich nicht gehen", stritt er verhement ab und wandte seinen Blick wieder geradeaus, setzte sich normal hin.
„Nein?", fragte ich etwas sarkastisch, da es doch so offensichtlich war.
„Nein", meinte er weiterhin stur. „Ich denke nur über etwas nach", gab er dann zögerlich zu und atmete tief durch.
„Hat es etwas mit dem Streit zu tun - zwischen Deidara und dir?" Die Frage verließ meine Lippen, noch ehe ich sie aufhalten konnte. Ich wusste, dass mich diese Sache überhaupt nichts anging und offenbar auch niemanden erzählt werden sollte, denn ansonsten hätten sie es mir ja schon damals gesagt, als die beiden Noby aus dem Fenster geworfen hatte.
Ich rechnete bereits mit einer harten Abweisung und begab mich innerlich bereits wieder zu Sasuke, als ich überraschenderweise seine Stimme hörte.
„Ja", presste er hervor und legte den Kopf in den Nacken. Er drehte seinen Kopf in meine Richtung und schaute mich aus blassen Augen an. Es sah so aus, als ob er etwas von mir erwarten würde. Ich blinzelte kurz. Was wollte er denn hören?
„Wie kamst du darauf?", ergänzte er dann schließlich, als ich nichts daraufhin sagte.
„Ehm", rutschte es mir zuerst heraus, weil ich nicht mit dieser banalen Frage gerechnet hatte. „Ihr habt auf einmal so wenig miteinander geredet und irgendwie herrschte zwischen euch eine seltsame Chemie. Obwohl ich gedacht hatte, dass das nur Einbildung war." Ich druckste vor mich hin, weil mir die Situation irgendwie unangenehm war.
Er setzte sich weiter vor, sein Blick weiterhin auf mich gerichtet. Er sah interessiert und gleichzeitig etwas überrascht aus.
„Was meinst du genau?"
„Naja, ich hatte eigentlich gedacht, dass ihr so etwas wie beste Freunde seid", fing ich an meine abstrakten Gedanken in Worte zu fassen. Doch die folgenden Worten fielen mir kindischerweise schwerer als nötig. „Oder auch mehr als Freunde. Aber dieser plötzliche Streit hat mich etwas verwirrt, also muss etwas passiert sein", schlussfolgerte ich und war über meine eigene Analyse mehr als überrascht.
Woher hatte ich auf einmal diese Intelligenz?
„Du bist wohl doch nicht so blauäugig, wie ich zuerst gedacht hatte", murmelte er mehr zu sich selbst, als zu mir. Ich zog eine Augenbraue hoch und wollte etwas darauf erwidern, als er mir zuvor kam.
„Es ist wirklich so, wie du es gesagt hast und es ist tatsächlich etwas passiert." Seine Worten ließen mich perplex verstummen, hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich mal etwas Sinnvolles oder gar Korrektes von mir geben würde. Das hieß dann, dass Sasori und Deidara etwas miteinander hatten?
„Ihr wart zusammen?", schoss es aus mir heraus, die Augen funkelnd. Dieser Fakt war sehr skurril, wirklich sehr, sehr skurril. Er sah nicht wie jemand aus, der eine Vorliebe für das männliche Geschlecht hatte, wobei ich sogar einmal gehört hatte, Sasori habe schon einmal eine längere Beziehung mit einem Mädchen gehabt.
„So etwas in der Art", meinte er dann zögerlich. „Ich weiß es nicht genau. Es war mehr irgendwas dazwischen."
„Hört sich kompliziert an", gab ich leise murmelnd zu. Sasori hatte aufgehört, Löcher in den Boden zu graben und legte seine verdreckte Hand auf sein angewinkeltes Knie ab.
„War es wohl auch", kam es mit rauer Stimme von ihm. „Was auch immer es war oder nicht war, es ist jetzt vorbei", fügte er langsam hinzu und seufzte erneut.
Ich schaute ihn an, blinzelte zweimal und ehe ich weiterdenken konnte, sprach der Akasuna das aus, was ich bereits befürchtet hatte. „Ich hab mit einem anderen geschlafen. Das hat er heraus gefunden und den Rest kannst du dir vorstellen."
Es vergingen einige Sekunde - oder waren es Minuten? - in denen ich ihn einfach stumm musterte und die plötzlich so vielen Informationen versuchte zu verdauen. Er war mit Deidara 'zusammen' gewesen - zumindest etwas in der Richtung - und hatte ihn mit einem anderen betrogen? Dann erklärte das auch den heftigen Streit zwischen den beiden, obwohl sie Noby deswegen nicht gleich aus dem Fenster hätten schmeißen müssen. Aber ich konnte Sasoris Schuldgefühle und Gemütslage seltsamerweise nachvollziehen und gegen meine eigentlichen Erwartungen wurde ich nicht sauer auf ihn.
„Hast du ihm gesagt, dass es dir leid tut?", fragte ich dann in das Schweigen hinein. Er schaute mich an, sagte aber nichts.
„Das solltest du tun. Erwarte nicht, dass er den nächsten Schritt macht. Ich kenne mich damit aus." Das war wahr. Ich war selbst derjenige gewesen, der immer zu schüchtern und zu dumm für den nächsten Schritt gewesen war und wenn Sasuke nicht die Initiative ergriffen hätte, dann wäre wohl nie etwas aus uns geworden. Und aus irgendeinem Grund wollte ich nicht, dass dies mit den beiden geschah, obgleich es mir eigentlich egal sein könnte.
Ich hatte Mitleid.
„Ich sagte doch, dass ich kein Mitleid brauche", meinte er dann stur und schaute wieder weg. Ich bemerkte, dass ihn dieser Schritt wohl schwerer fiel als gedacht, aber da musste er allein durch. Wenn ihm Deidara wirklich so wichtig war, dann würde er jenen Schritt wagen. Und wenn nicht, dann war es auch nie etwas Ernstes.
Ich würde niemanden etwas von diesem Gespräch sagen, denn ich wusste wie er sich gerade fühlen musste. Es hatte sicherlich einen Grund gehabt, weshalb er sich alleine zurückgezogen hatte und das würde ich akzeptieren.
„Und ich habe gesagt, dass ich kein geheucheltes Mitleid gebe", sagte ich nüchtern. „Und das war echtes Mitleid." Und mit diesen Worten warf ich ihm ein breites Grinsen zu, das er mit einem stummen Lächeln quittierte, ehe ich mich umdrehte und wegging.
~*~*~
„346“ Ich starrte mit festen Blick auf den flimmernden Bildschirm vor mir und blinzelte dezent überfordert.
„346“, wiederholte ich mit Nachdruck und schnaubte theatralisch. Ich saß gerade auf dem Schreibtischstuhl, vor dem Notebook des Uchihas und konnte meinen Augen nicht trauen.
„346 … verdammte Scheiße.“
„Hast du gerade meinen IQ ausgerechnet, oder was machst du da?“ Sasuke, der gerade aus dem Badezimmer kam, hatte wieder einmal eines seiner berühmt berüchtigten, arroganten Schmunzeln im Gesicht.
Dieser selbstverliebte Bastard, als ob ich von seinem IQ reden würde, das hätte der wohl gerne!
Der Dunkelhaarige kam auf mich zu, blieb hinter dem Stuhl auf dem ich saß stehen und stützte sich mit den Ellenbogen auf den Lehnen ab, sodass er sein Kinn auf meiner Schulter ablegen konnte und ebenfalls auf den flimmernden Bildschirm schaute.
„Ich meine nicht deinen IQ, Bastard“, stritt ich augenrollend ab, hatte aber ein Grinsen im Gesicht. „Ich meine dein Profilbild. Es wurde 346-mal geliked. Das ist unnormal. Verdammt unnormal.“ Mit einem Blick, der es immer noch kaum glauben konnte, dass mein fester Freund so viele Stalker hatte, starrte ich das – doch ziemlich gutaussehende – Profilfoto an.
Oh Mann, wie sich das anhörte – „fester Freund“. Daran musste ich mich echt noch gewöhnen.
„Mhm…“ Ich spürte Sasukes heißen Atem an meinem Hals und seine Lippen meine Haut streifen. „Ich wusste gar nicht, dass du ein Stalker bist.“ Ein amüsierter Laut kam von ihm.
„...was?“ Ertappt drehte ich meinen Kopf leicht in seine Richtung, was ihn verstimmt grummeln ließ, da er deswegen automatisch von meinem Hals losgerissen wurde.
„Ich hab gar nicht gestalkt!“, versuchte ich mich heraus zu reden. Aber im Grunde war sogar mir klar, dass ich nicht durch reinen Zufall auf seiner Seite gelandet war – ein paar Mal, oder auch ein paar mehrere Male.
Aber nachdem ich mich unbedingt davon überzeugen wollte, ob dieser bescheuerte Jashinist auch auf Facebook herum geprahlt hatte, dass ‚unser Romeo‘ nun vergeben war - und genau das hatte er gestern auch getan -, war ich praktisch von seiner Seite angesprungen worden! Seitdem klingelte mein Handy in Dauerschleife und von dem des Uchihas wollte ich gar nicht erst anfangen!
Zum Glück hatte kaum jemand meine Handynummer. Nur ein einziger rief mich nicht an; der einzige, dessen Meinung mir wirklich etwas bedeutet hätte...
...Kiba.
„Natürlich hast du das nicht“, kam es dann schmunzelnd von Sasuke, doch seinen Sarkasmus konnte er sich selbstverständlich nicht verkneifen.
Eingeschnappt verzog ich mein Gesicht und schnaubte beleidigt – und irgendwie auch etwas beschämt, da ich so offensichtlich beim Spionieren erwischt worden war.
„Bist du etwa eifersüchtig?“ Gespielt-schockiert zog Sasuke eine Augenbraue in die Höhe, als ich ihm nicht geantwortet hatte. Er legte seine Arme um meine Schultern und strich geistesgegenwärtig über meine Brust. „Mhm?“
„Tsk“, kam es dann schwer überzeugend von mir. „Träum weiter, Sasuke.“ Ich betete gerade wirklich zum Himmel, dass der arrogante Bastard nicht sah, wie rot ich gerade wurde.
„Ich bin nicht eifersüchtig“, beharrte ich darauf, meinte es allerdings nicht einmal wirklich ernst, da es schier sinnlos war, das jetzt noch abzustreiten. Aber ich versuchte es trotzdem, ganz einfach weil ich meinen männlichen Stolz nicht schon wieder im Stich lassen konnte.
„Außer ich habe einen Grund dafür.“ Ein freches Grinsen zierte meine Lippen, als ich zu Ende gesprochen hatte. Meine Augen waren halb geschlossen und ich genoss die zarten Berührungen des anderen, während er meinem Kiefer einen Kuss gab.
Ich spürte, wie er einen seiner Arme von meiner Brust nahm und sie stattdessen zu der Laptop-Maus führte, um seine Hand dort abzulegen. Ich öffnete gänzlich die Augen und beobachtete ihn dabei, wie er das geöffnete Internetfenster von seinem Profilbild schloss und das Notebook zuklappte.
„Nein, du hast keinen Grund“, flüsterte er mir ins Ohr hinein und entlockte mir ein leises Keuchen, welches zu einem Lächeln wurde.
Ein Lächeln, aufrichtig und zufrieden mit dem Leben, das alles andere auf der Welt am Vergessen war.
Bis sich die Realität plötzlich wieder meldete…
...Riiiiiiing.
Ein schriller, nervtötender Klang durchbrach die angenehme Stille und ließ mich erschrocken zusammenzucken.
Sasuke seufzte tief und deutlich genervt, als er sein Handy widerwillig aus seiner Hosentasche zog, sich wieder gerade hinstellte und auf das Display schaute.
Seine Augenbraue zuckte kurz, als er den Namen las und für einen Moment sah es so aus, als würde er ernsthaft überlegen wieder aufzulegen, entschied sich letzten Endes allerdings doch dafür dranzugehen.
Mit einem unzufriedenen Blick führte er das Handy an sein Ohr und meldete sich mit einem – nicht gerade sehr freundlichen – „Was willst du?“
Ich drehte mich mit dem Schreibtischstuhl um, damit ich den Dunkelhaarigen besser ansehen konnte. Neugierig darauf, mit wem der Uchiha gerade telefonierte – oder wie es sich momentan anhörte wohl eher diskutierte – hob ich meinen Kopf.
„Nein, werde ich nicht. Was ist passiert?“ Eine feine Ader zeichnete sich auf seiner blassen Stirn ab, was darauf hindeutete, dass er langsam aber sicher sauer wurde. Leider verstand ich nicht ein einzelnes Wort von dem, was auf der anderen Leitung gesagt wurde und dementsprechend verwirrte mich das einseitige Gespräch von Sasuke nur, weshalb ich nach wenigen Augenblicken nur noch mit halben Ohr zuhörte.
Als Sasuke dann mit einem schweren Seufzen und einem Gesicht, das kleine Kinder zum Weinen gebracht hätte, auflegte, wandte er sich mir zu. Ich rollte mit dem Drehstuhl auf ihn zu und blieb vor ihm stehen.
„Was war denn los? Wer war das?“, fragte ich ihn, während er irgendetwas in sein Handy tippte.
„Das war Suigetsu. Wir sollen sofort zu ihm kommen.“ Er hörte sich wirklich alles andere als begeistert an, weshalb ich ihm eine Hand auf die Hüfte legte und diese leicht zwickte. In der Hoffnung, dass ihn das ablenken würde.
„Wieso denn?“
„Ich weiß es nicht“, meinte Sasuke dann, legte eine Hand auf meinem Kopf ab und zog sanft an meinen Haaren. „Ich habe gerade Hidan und den anderen Bescheid gegeben, sie kommen direkt dorthin.“ Er verstaute sein Smartphone wieder in seiner Hosentasche und schaute auf mich herab.
„Aber es ist doch nicht wegen dieser Bezahlungs-Sache, oder?“, schoss es dann alarmiert aus mir heraus. „Wegen dem Date und so …“ … und der heißen Nacht im Gästezimmer.
Meine Stimme wurde leiser, als ob es damit weniger schlimm klingen würde. Wenn dieser Suigetsu seine Bezahlung im Wert von einer heißen Nacht haben wollte, dann würde ich ihm solange eine reinhauen, bis er impotent wurde. Echt jetzt!
„Nein“, kam es dann schmunzelnd von meinem Freund. „Nicht deswegen, die anderen hatten das geklärt.“ Immer noch amüsiert über meine kindliche Sorge, flickte er mir mit seinen Fingern gegen die Stirn.
„Idiot“, sagte er liebevoll.
„Aber dein Idiot“, grinste ich daraufhin breit.
~*~*~
„Ich schwöre, ich werde nie wieder Croissants essen!“ Mit einem lauten Jammern hielt sich Hidan seinen grummelnden Magen, während er schweren Schrittes neben Deidara herging, der ihn tadelnd musterte.
„Ich habe dir gesagt, dass du nicht so viele von diesen Dingern essen sollst. Du hast nicht auf mich gehört und das hast du jetzt davon“, meckerte der Blonde und schüttelte den Kopf, als der Grauhaarige einen gequälten Laut von sich gab, der verdächtig nach einem Würgen klang.
„Kein Wunder, dass dein Magen streikt. Wie viele hast du denn davon in dir reingestopft – hundert?“ Kakuzu, der neben Sasori lief, hatte ein hämisches Grinsen im Gesicht, deutlich zufrieden mit dem schlechten Zustand seines Kumpels.
„Schnauze! Ihr seid behindert, ey!“, brüllte Hidan dann verstimmt und kam auf mich zu. „Dann suche ich mir eben woanders Mitleid“, meinte er dann wehleidig und legte einen Arm um meinen Nacken. Ich wusste beim besten Willen nicht was ihn glauben ließ, dass das in Ordnung war, mich ständig durch zu knuddeln und mich als Seelensorge zu missbrauchen.
„Von mir kriegst du sicherlich kein Mitleid. Ich kann ohnehin nicht nachvollziehen, wie man diese ekelhaften Dinger mögen kann“, erwiderte ich und schmunzelte über die Grimasse, welche der Jashinist daraufhin zog.
Er war ja selbst schuld, wenn er sich in die Mensa schlich und dort den übrig gebliebenen Rest der Croissants auffraß. Es war ja wohl abzusehen, dass er danach Magenprobleme bekommen würde, aber daran dachte der Sekten-Freak natürlich nicht.
Nachdem Sasuke ihm und den anderen Bescheid geschrieben hatte, dass wir uns bei Suigetsu trafen, hatten er und ich uns bereits auf den Weg gemacht, als wir die anderen praktischerweise zufällig getroffen hatten. Nun waren wir also doch zusammen und machten uns auf zu diesem ominösen Stalker. Ich war ja gespannt wie der so war, denn aus irgendeinem Grund konnte ich mich an keinen Suigetsu erinnern. Das hieß zumindest, dass wir noch nie denselben Kurs hatten.
Nach einigen Minuten des Gehens waren wir in dem Westflügel unserer Schule angekommen und steuerten direkt auf die Technikräume zu. Zu dieser Uhrzeit waren kaum Lehrer oder gar Schüler hier, da sowieso Wochenende war. Jedoch waren Räume wie die der Naturwissenschaften beinahe immer offen, da die Schüler meistens noch Projekte oder ähnliches vorbereiteten. Natürlich durften das nur diejenigen, die die gewissen Qualifikationen dafür besaßen und mit dem ganzen Kram umgehen konnten - oder aber Aufsichten dabei hatten.
Da ich nicht glaubte, dass dieser Suigetsu ein Roboterbaby illegal vor einem Lehrer reparieren konnte - ohne dabei aufzufliegen - nahm ich an, dass er wohl einen Schlüssel für die Technikräume besaß. Alles andere wäre unlogisch. Obwohl mich diese Tatsache auch nicht gerade milder stimmte.
„So ein behinderter Scheiß!“, hörte ich eine gedämpfte Stimme fluchen, die aus dem hinteren Technikraum zu kommen schien. Ich stutze, als ich kurz darauf ein ungesund anhörendes Knacken und daraufhin ein schrilles, sirenenartiges Geräusch vernahm, welches ebenfalls aus besagtem Raum kam.
Hidan und Deidara liefen alarmiert – oder einfach nur neugierig geworden – voraus und stürmten den Raum, dicht gefolgt von uns.
„Was zur Hölle ist denn hier los?!“, krächzte Deidara mit tellergroßen Augen und blieb im Türrahmen stehen.
„Woah, willst du die Bude in die Luft jagen?!“, kam es dann wild gestikulierend von Hidan, der im Raum verschwunden war.
Kaum da wir ebenfalls angekommen waren, stieg mir der Duft von etwas Angekokeltem in die Nase und ich schaute mich suchend um.
Lange musste ich nicht suchen, denn fast auf Anhieb entdeckte ich eine Art Batterie oder große Schaltung, die auf einem der weißen Werkzeugtische lag und offensichtlich einen Kurzschluss hinter sich hatte, was ich an dem Gebrülle und Gefluche der fremden Person kaum überhören konnte. Außerdem sonderte sie reichlich Qualm ab.
„Fuck, dummer Kurzschluss! Wie konnte das nur passieren?!“, fluchte er sauer und fummelte ungeniert an der Schaltung umher, uns nicht weiter beachtend oder einfach nicht bemerkend.
Die Person hatte weiß-silberne Haare, die ihm bis unter das Kinn reichten. Seine Zähne waren unnormal spitz und hatten eine verdächtige Ähnlichkeit mit denen von Haifischen, was ich ziemlich gruselig fand.
„Yo, Freak. Ignorier mich noch einmal und ich stelle dir Jashin höchst persönlich vor.“ In Hidans Stimme schwank etwas Säuerliches mit. Anscheinend war er es noch immer nicht gewöhnt, ignoriert zu werden. Da wird er bei mir wohl noch öfters auf Granit stoßen.
„Oh“, stieß der Weißhaarige dann überrascht aus „Hab euch gar nicht bemerkt, sorry.“ Er wandte seine Aufmerksamkeit von dem Technikzeug ab und drehte sich uns zu.
„Hach, es ist doch wunderschön alte Freunde wieder zu treffen, hm?“, grinste er dann breit und überflog Sasukes Freunde mit seinen Blicken, bis er bei dem Uchiha – der direkt neben mir stand – haften blieb.
„Nicht wahr, Sasuke-chan?“ Er sprach das letzte Wort mit einer extrem nasalen Stimme aus, was sich so verdammt tuntig anhörte, dass es mir eiskalt den Rücken hinunter lief. Nicht nur wegen der Art wie er das ausgesprochen hatte, sondern auch, weil er meinen Freund gerade mit Blicken durchbohrte, die ihn förmlich auszogen.
„Halt deine Klappe, Suigetsu“, kam es dann bedrohlich ruhig von dem Dunkelhaarigen. Seine Körperhaltung war angespannt, sich krampfhaft unter Kontrolle haltend.
„Wir sind rein geschäftlich hier. Also, was ist los?“, ergänzte er monoton und schaute ihn mit einem eisigen Blick an, das es sogar mir unangenehm wurde und ich wegsehen musste. Diese Art von dem Dunkelhaarigen kannte ich zwar bereits, doch damit klar kam ich immer noch nur schwer.
„Nicht so eilig, wir können ja zuerst ein wenig plaudern, der alten Zeiten Willen, sozusagen“, lachte Suigetsu dann gepresst und kratzte sich am Hinterkopf. Seine Augen glitten ziellos durch den Raum. Er war nervös, das war ihm deutlich anzusehen und es sah schwer danach aus, dass er Zeit schinden wollte.
„Wir sind nicht hier um zu plaudern“, stellte Kakuzu dann trocken klar und verschränkte seine Arme ineinander.
„Ach kommt schon. Wir haben uns doch ewig nicht mehr unterhalten. Ich wäre euch ja auch gerne mal besuchen gekommen, aber irgendwie entfielen mir dir Zimmernummern.“ Dass er bei den letzten Worten auffällig zweideutig zu Sasuke hinüberschaute, entging mir nicht. Aber der Tag, an dem er das Zimmer von ihm betreten würde, wird ganz sicher nie kommen.
„Meine Zimmernummer ist übrigens 69.“ Sein Blick blieb an Sasuke haften und der Weißhaarige wackelte vielsagend mit den Augenbrauen, was im Nachhinein ziemlich provozierend wirkte. Konnte man denn wirklich so wenig Scham besitzen wie er, dass man jemanden – der offensichtlich nicht das geringste Interesse am anderen hegte – so deutlich anmacht?
„Falls mal wer auf Gesellschaft aus ist.“ Sein Grinsen wurde breiter und er kam ein Stück auf uns zu. Zuerst dachte ich, dass er sich jetzt an Sasukes Hals werfen wollte und ihn hier und gleich vergewaltigte. Aber überraschenderweise war es nicht der Uchiha, den Suigetsu sich aufdrückte – nein, sondern ich.
Ich!, wieso ich?
„Oder wenn du mal Gesellschaft benötigst.“ Er hatte seinen Arm um meinen Nacken geschlungen und drückte sich somit enger an mich heran. Sein Griff war aber so fest, dass ich ein leichtes, kaum wahrnehmbares Ziehen in meinen Muskeln spürte und meine Augen vor Schock und Verwirrung weitete.
„Was?“, ächzte ich, da ich zu mehr nicht im Stande war. Ich war viel zu überwältigt von der plötzlichen Attackierung des Weißhaarigen. Doch ehe ich noch etwas sagen oder mich gar von ihm lösen konnte, wurde Suigetsu auch schon mit einem gekonnten Handgriff von mir weggezerrt. Sasuke schnaubte zornig und brachte ihn auf Abstand.
„Finger weg von meinem Freund“, zischte er klar und deutlich.
Von meinem Freund …oh Gott...
Mein Herz fing bei diesen Worten an schneller zu pochen, den wütenden Weißhaarigen dabei ausblendend.
„Wow, ruhig Blut. Hab’s verstanden.“ Der Angesprochene wich ein paar Schritte nach hinten, als sich Sasuke demonstrativ an meine Seite stellte und ihn aus zusammengekniffenen Augen anschaute.
„Sehr schön, da wir das also geklärt hätten“, begann Deidara dann ausweichend. „Wenn du nun die Freundlichkeit hättest und uns sagen würdest was du jetzt von uns willst, können wir auch umso schneller wieder abziehen.“ Die Worte des Blonden leuchteten ein. Mein Drang, ganz schnell möglichst weit weg von diesem weißhaarigen Irren zu kommen, wuchs stetig.
„Naja, also …“, druckste Suigetsu dann zögerlich und wich weitere zwei Meter von uns weg, bis er am anderen Ende des Raumes angelangt war und sich dort gegen das Fenster lehnte. Seine Finger krallten sich nervös und unbeholfen um den hervorstehenden Rahmen.
„Da ist etwas passiert, vorhin …“ Er wandte den Blick gen Boden, schluckte schwer und lachte unsicher. „Als ich eurer Robotervieh zur Hälfte repariert hatte, da habe ich eine kurze – echt nur eine super winzige – Pause gemacht und als ich dann wiederkam…“ Er brach seinen Satz ab und ließ ihn vorerst unvollständig im Raum stehen.
Meinem erwartungsvollen Blick wich Misstrauen.
„Was?“, kam es mit schneidender Stimme von einem der anderen, konnte sie aber nicht richtig einordnen, da ich im Moment viel zu sehr mit Bangen und Zittern beschäftigt war.
Ich schluckte.
Ich hatte ein ganz, ganz schlechtes Gefühl in meiner Magengegend.
„Naja, also... er ist weg? Noby ist gestohlen worden ...“